Der Strandkorb ist eine urdeutsche Erfindung. Er schützt vor Wind und neugierigen Blicken. Noch im größten Menschengewimmel ist er ein Hort familiärer Gemütlichkeit und Ordnung – mit Tischchen, Schubfächern, Fußstütze und Nackenrolle. In diesem Sommer feiert der Strandkorb sein 120-jähriges Jubiläum. 1882 hatte eine rheumakranke Dame den Hofkorbmachermeister Wilhelm Bartelmann aus Rostock um den Bau eines Korbes gebeten, in dem sie die heilende Seeluft geschützt vor Wind und Sonne genießen konnte. Ein gebräunter Teint war zu Kaisers Zeiten noch nicht in. Ein Jahr später öffnete die Ehefrau des Erfinders in Warnemünde den ersten Strandkorbverleih der Welt, doch erst in den zwanziger Jahren eroberte der Sitzkorb massenhaft die Strände. Reich geworden sei Bartelmann nicht, denn er habe kein Patent angemeldet, berichtet Mathias Fromholz aus Heringsdorf. Der Geschäftsführer der Korb GmbH Seebad Heringsdorf & Co. KG leitet gemeinsam mit Magrit Dittberner das Unternehmen, das aus der ältesten Strandkorbfabrik, dem 1925 von Carl-Martin Harder in Wolgast gegründeten Betrieb, hervorgegangen ist. Heute stehen immer mehr Strandkörbe im Binnenland, in Gärten, auf Terrassen und in Wintergärten. Im Vorjahr bauten die 38 Mitarbeiter der Korb GmbH knapp 6000 Strandkörbe für Abnehmer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Holland, Spanien und den USA. Die Sitzmöbel werden nach Kundenwunsch gefertigt. Grundmodelle sind die eckige Nordseeform und die rundere Ostseeform. Jede gibt es in vier Breiten vom Ein- bis zum Dreisitzer. Die Körbe, die auch als Liegekörbe gearbeitet werden können, sind aus Kunststoff oder Rattan geflochten, in verschiedenen Farben oder Naturtönen gehalten, die Holzteile aus Kiefer, Teak oder Iroko, eine Holzart aus Afrika. Mehr als drei Dutzend Bezugsstoffe stehen zur Auswahl. Strandkörbe sind ab 500 Euro aufwärts zu haben. Der Preis hängt von der Ausstattung ab, die vom Bistrotisch über höhenverstellbare Fußstützen bis zu extradicken Polstern und der Schutzhülle für den Winter reicht.
Wohin sich der Trend entwickle, merke sie beim Verkauf an den
Fachhandel, sagt Magrit Dittberner. Während die
Strandkorbverleiher an Nord- und Ostsee traditionelle
Balkendessins auf abwaschbarem Material bevorzugen, greift der
Käufer eines Edelstrandkorbs für Zuhaus eher auf Dralonstoffe in
warmen Farbtönen zurück. In jedem Jahr stellt das Unternehmen
seine Kollektion auf der Sport- und Feizeitmesse SPOGA in Köln
vor. Mitwettbewerber gebe es in Norddeutschland bis nach Bielefeld
mehrere. |



In einem Strandkorb steckt viel Handarbeit. Korbmacher Peter
Beyer, der vor 40 Jahren im Unternehmen gelernt hat, schafft im
Durchschnitt zwei der beweglichen Hauben am Tag. „Das kommt auf
die Größe an“, sagt er. Im Stofflager steht Renate Schönborn am
großen Zuschneidetisch. Acht Stoffteile habe jeder Strandkorb,
erklärt sie, ohne die extra Kissen. Renner sei derzeit das
hauseigene Dessin, ein blau-gelb-weißes Streifenmuster.